Realwirtschaft: Welche minimale Geldmenge ist wirklich nötig?
1. Einleitung: Müssen es wirklich 1’200 Milliarden sein?
Wie viel Geld im realen Umlauf braucht eine Volkswirtschaft wirklich, um reibungslos zu funktionieren?
Diese scheinbar einfache Frage wird im öffentlichen Diskurs kaum gestellt – und noch seltener präzise beantwortet. Stattdessen dominieren Schlagzeilen über Inflation, Zinspolitik oder Staatsverschuldung. Doch all diese Themen setzen etwas Grundlegendes voraus: einen funktionierenden Geldumlauf in der Realwirtschaft.
In der Schweiz existiert eine Geldmenge M3 von rund 1'200 Milliarden Franken. Die eher zirkulierende Geldmenge M1 beträgt rund 750 Mrd. CHF. Ein grosser Teil davon liegt jedoch nicht im täglichen Umlauf. Er befindet sich auf normalen Lohnkonten, Sparkonten, in Terminkonten, oder sogar physisch in Tresoren – teilweise in Form von grossen Banknoten, die über längere Zeiträume nicht aktiv verwendet werden. Gleichzeitig werden Monat für Monat Löhne ausbezahlt, Renten überwiesen und Umsätze generiert, die das wirtschaftliche Leben tatsächlich tragen.
Hier entsteht ein Spannungsfeld, das selten beleuchtet wird:
Wie viel von der vorhandenen Geldmenge wird überhaupt benötigt, damit die reale Wirtschaft stabil läuft?
Oder anders gefragt:
Könnte es sein, dass nur ein Bruchteil des bestehenden Geldes ausreicht, um den gesamten wirtschaftlichen Kreislauf aufrechtzuerhalten?
Wenn dem so ist, hätte das weitreichende Konsequenzen. Denn es würde bedeuten, dass die Höhe der Geldmenge allein wenig über die tatsächliche wirtschaftliche Aktivität aussagt. Entscheidend wäre vielmehr, wie schnell und wie gleichmässig Geld durch die Wirtschaft zirkuliert.
Diese Überlegung führt zu einer noch grundsätzlicheren Frage:
Was passiert mit dem Geld, das nicht im Umlauf ist? Und welche Rolle spielt es im Gesamtsystem?
Zwischen aktiv genutztem Geld und ruhenden Geldbeständen entsteht eine Differenz, die nicht nur theoretisch relevant ist, sondern konkrete Auswirkungen auf Stabilität, Wachstum und Verteilung haben kann.
Die folgende Analyse geht genau dieser Fragestellung nach – und nähert sich einer überraschend greifbaren Grösse:
dem minimal notwendigen Geldumlauf, der erforderlich ist, um die Realwirtschaft am Laufen zu halten.
2. Kurzanalyse
Um die Frage nach dem notwendigen Geldumlauf greifbar zu machen, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die zentralen Grössen der Schweizer Realwirtschaft. Entscheidend sind dabei zwei Perspektiven: Einkommen und Umsätze. Beide zusammen bilden den Kern des wirtschaftlichen Kreislaufs – dort, wo Geld tatsächlich verwendet wird.
Auf der Einkommensseite ergibt sich folgendes Bild: Angestellte erzielen jährlich rund 460 Milliarden CHF an Lohneinkommen. Hinzu kommen Rentenzahlungen aus verschiedenen Systemen – etwa 50 Milliarden CHF aus der AHV, rund 26 Milliarden CHF aus Pensionskassenrenten sowie zusätzliche Auszahlungen von etwa 15 Milliarden CHF. Ergänzt werden diese durch Leistungen der IV (6 Milliarden CHF) und der SUVA (4.5 Milliarden CHF). Selbständige tragen mit einem vergleichsweise kleinen Anteil zum Gesamteinkommen bei. Insgesamt summieren sich alle Einkommen auf rund 562 Milliarden CHF pro Jahr, was einem monatlichen Volumen von etwa 47 Milliarden CHF entspricht.
Unsere Annahme ist, dass diese Einkommen jeden Monat auch wieder ausgegeben werden. Es wird also nicht gespart und nicht vom Vermögen gelebt.
Parallel dazu stehen die Umsätze der Unternehmen, die sich im Bruttoinlandsprodukt von rund 850 Milliarden CHF jährlich widerspiegeln. Das entspricht monatlich etwa 70 Milliarden CHF, die durch Produktion, Dienstleistungen und Investitionen umgesetzt werden.
Kombiniert man beide Grössen – Einkommen und Umsätze – ergibt sich ein monatlicher Geldbedarf von ungefähr 120 Milliarden CHF, der notwendig ist, um die Realwirtschaft operativ am Laufen zu halten. Diese Zahl beschreibt keinen theoretischen Wert, sondern eine praktische Grössenordnung für den tatsächlich benötigten Geldumlauf.
Dies unter der Annahme, alle Unternehmen hätten im Durchschnitt die Summe eines Monatsumsatzes auf dem Konto. Dies ist aber wohl nicht der Fall. In einem MoMo Referat 2025 zeigt sich, dass eine Auswahl an Unternehmen die Summe von 2 Wochenumsätzen auf ihren Konten hätten. Wir haben wir also eher grosszügig gerechnet.
Dem gegenüber steht eine deutlich grössere Geldmenge M1 von rund 751 Milliarden CHF, die im System vorhanden ist. Daraus ergibt sich eine auffällige Diskrepanz: Ein erheblicher Teil des Geldes wird offensichtlich nicht für laufende Transaktionen benötigt.
Diese Differenz legt nahe, dass die Stabilität der Realwirtschaft weniger von der absoluten Geldmenge abhängt, sondern vielmehr davon, welcher Anteil davon aktiv zirkuliert. Gleichzeitig wirft sie eine zentrale Frage auf: Wenn ein vergleichsweise kleiner Teil des Geldes ausreicht, um den wirtschaftlichen Alltag zu tragen – welche Funktion erfüllt dann der Rest?
3. Haupteil
3.1. Geld ist nicht gleich Geldumlauf
Auf den ersten Blick scheint es naheliegend, die Stabilität einer Volkswirtschaft an der Höhe der vorhandenen Geldmenge zu messen. Je mehr Geld vorhanden ist, desto besser – so die verbreitete Annahme. Doch diese Sichtweise greift zu kurz. Denn für die Realwirtschaft ist nicht entscheidend, wie viel Geld existiert, sondern wie viel davon tatsächlich im Umlauf ist.
Ein zentraler, oft unterschätzter Faktor ist die sogenannte Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Sie beschreibt, wie häufig eine Geldeinheit innerhalb eines bestimmten Zeitraums für Transaktionen verwendet wird. Ein Franken, der mehrfach im Monat den Besitzer wechselt – etwa vom Arbeitgeber zum Arbeitnehmer, weiter zum Detailhändler und schliesslich zum Produzenten – erfüllt eine aktive wirtschaftliche Funktion. Ein Franken hingegen, der auf einem Konto liegen bleibt oder in einem Tresor aufbewahrt wird, entzieht sich diesem Kreislauf vollständig.
Diese Unterscheidung hat weitreichende Konsequenzen. Denn sie bedeutet, dass selbst eine grosse Geldmenge wirkungslos bleiben kann, wenn sie nicht zirkuliert. Umgekehrt kann eine vergleichsweise kleine Geldmenge ausreichen, um eine hohe wirtschaftliche Aktivität zu ermöglichen – vorausgesetzt, sie wird kontinuierlich genutzt.
Vor diesem Hintergrund wird klar, weshalb die zuvor hergeleiteten rund 120 Milliarden CHF pro Monat eine so zentrale Rolle spielen. Sie stehen nicht für die gesamte Geldmenge, sondern für den aktiven Teil, der tatsächlich benötigt wird, um Löhne zu bezahlen, Konsum zu ermöglichen und unternehmerische Umsätze zu realisieren.
Die entscheidende Erkenntnis lautet daher:
Geld erfüllt seine Funktion nicht durch seine Existenz, sondern durch seine Bewegung.
Diese Perspektive verschiebt den Fokus weg von der statischen Betrachtung von Geldbeständen hin zu einer dynamischen Sicht auf wirtschaftliche Prozesse. Und genau hier beginnt ein tieferes Verständnis dafür, wie eng Geldumlauf und reale Wertschöpfung miteinander verknüpft sind.
3.2. Die reale Untergrenze des Systems
Ausgehend von den zuvor betrachteten Zahlen lässt sich eine zentrale Grösse ableiten: Rund 120 Milliarden CHF pro Monat scheinen ausreichend zu sein, um die laufenden Transaktionen der Schweizer Realwirtschaft abzuwickeln. Diese Grössenordnung beschreibt damit nicht nur eine Momentaufnahme, sondern deutet auf eine Art funktionale Untergrenze des Geldumlaufs hin.
Sinkt der tatsächlich verfügbare und zirkulierende Geldbetrag unter diese Schwelle, geraten die Abläufe ins Stocken. Unternehmen erzielen geringere Umsätze, da Konsum und Investitionen zurückgehen. Haushalte schränken ihre Ausgaben ein, sei es aus Unsicherheit oder aufgrund fehlender Liquidität. In der Folge entstehen klassische Abwärtsspiralen: Produktion wird reduziert, Arbeitsplätze geraten unter Druck und die wirtschaftliche Dynamik nimmt insgesamt ab.
Doch auch die entgegengesetzte Richtung ist nicht unproblematisch. Steigt der aktive Geldumlauf deutlich über das notwendige Mass hinaus, verändert sich das Gleichgewicht der Realwirtschaft. Eine übermässige Geldverfügbarkeit kann dazu führen, dass die Nachfrage schneller wächst als das reale Angebot an Gütern und Dienstleistungen.
Die Konsequenzen zeigen sich in erster Linie in steigenden Preisen, also Inflation. Unternehmen können höhere Preise durchsetzen, weil genügend Kaufkraft vorhanden ist. Gleichzeitig entsteht die Gefahr einer Marktüberhitzung: Investitionen werden zunehmend weniger nach realem Bedarf getätigt, sondern aufgrund der leicht verfügbaren Liquidität. Projekte, die unter normalen Bedingungen nicht wirtschaftlich wären, erscheinen plötzlich rentabel.
Diese Entwicklung kann kurzfristig Wachstum erzeugen, führt jedoch langfristig zu Fehlentwicklungen. Ressourcen werden ineffizient eingesetzt, und die wirtschaftliche Stabilität gerät ins Wanken. Sobald sich die Geldzufuhr verlangsamt oder das Vertrauen nachlässt, können solche Überhitzungsphasen abrupt enden.
Damit wird deutlich: Es existiert nicht nur eine Untergrenze, sondern auch eine Art Obergrenze des sinnvollen Geldumlaufs. Die Herausforderung besteht darin, ein Gleichgewicht zu finden, in dem ausreichend Liquidität für stabile wirtschaftliche Aktivität vorhanden ist – ohne dabei inflationäre Tendenzen und Überhitzungen zu fördern.
3.3. Wer treibt den Geldumlauf wirklich?
Der Geldumlauf in der Realwirtschaft entsteht nicht von selbst – er wird durch konkrete Akteure getragen. Im Zentrum stehen dabei vor allem jene Bevölkerungsgruppen, die regelmässig Einkommen beziehen und dieses unmittelbar wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückführen.
Den grössten Anteil bilden die Angestellten mit ihren Lohneinkommen. Sie sorgen durch ihren Konsum für eine kontinuierliche Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen. Ein wesentlicher Teil ihres Einkommens fliesst direkt zurück in den Markt – für Wohnen, Lebensmittel, Mobilität oder Freizeit. Damit stellen sie einen stabilen und berechenbaren Motor des Geldumlaufs dar.
Ergänzt wird dieser Kreislauf durch Rentnerinnen und Rentner. Leistungen aus AHV, Pensionskassen, IV oder SUVA sorgen ebenfalls für regelmässige Zahlungsströme. Auch hier gilt: Ein grosser Teil dieser Mittel wird zeitnah wieder ausgegeben und trägt somit zur Stabilität der Nachfrage bei.
Unternehmen wiederum übernehmen eine doppelte Rolle. Einerseits zahlen sie Löhne aus und zahlen Rechnungen für Vorprodukte, andererseits generieren sie Umsätze durch den Verkauf ihrer Produkte und Dienstleistungen. Sie verbinden damit die Einkommens- und die Produktionsseite der Wirtschaft.
Auffällig ist, dass genau diese Gruppen durch ihr Verhalten den aktiven Teil des Geldumlaufs bestimmen. Geld, das nicht in diesen Kreislauf gelangt – etwa weil es langfristig gespart oder zurückgehalten wird – verliert für die Realwirtschaft an unmittelbarer Bedeutung.
Damit zeigt sich: Der Geldumlauf wird weniger von der Geldmenge selbst bestimmt als von denjenigen, die bereit und gezwungen sind, Geld tatsächlich auszugeben.
3.4. Systemfrage: Effizienz oder struktureller Wachstumszwang?
Wenn ein vergleichsweise kleiner Teil der Geldmenge ausreicht, um die Realwirtschaft stabil zu betreiben, stellt sich zwangsläufig eine grundlegende Frage:
Warum existiert deutlich mehr Geld, als für den laufenden Wirtschaftskreislauf notwendig ist?
Ein Teil der Antwort liegt in der Funktion von Geld als Wertaufbewahrungsmittel. Haushalte und Unternehmen halten Reserven, um Sicherheit zu gewinnen oder zukünftige Investitionen zu finanzieren. Doch diese Erklärung greift zu kurz. Denn ein wesentlicher Treiber liegt tiefer im System selbst verankert.
Unser heutiges Geldsystem basiert grösstenteils auf Kredit – und dieser ist in der Regel verzinst. Das bedeutet: Geld entsteht durch Verschuldung und muss mit einem Aufschlag zurückbezahlt werden. Daraus ergibt sich eine strukturelle Dynamik, die kaum zu umgehen ist: ein inhärenter Wachstumszwang.
Zinsen führen dazu, dass in Zukunft mehr Geld benötigt wird, als ursprünglich geschaffen wurde. Um diese zusätzlichen Verpflichtungen bedienen zu können, müssen entweder neue Kredite aufgenommen oder höhere wirtschaftliche Leistungen erbracht werden. Beides führt zu einem kontinuierlichen Druck in Richtung Expansion.
Mathematisch betrachtet folgt dieses Prinzip einem exponentiellen Wachstumsmuster. Während die reale Wirtschaft – also Produktion, Ressourcen und Arbeitskraft – nur begrenzt wachsen kann, verlangt das Finanzsystem eine fortlaufende Ausweitung.
Hier entsteht ein Spannungsfeld:
Auf der einen Seite steht eine Realwirtschaft mit natürlichen Grenzen. Auf der anderen Seite ein Geldsystem, das durch Zinsmechanismen stetiges Wachstum voraussetzt.
Die Folge ist eine zunehmende Entkopplung. Geld fliesst verstärkt in Bereiche, die höhere Renditen versprechen, während die Realwirtschaft nicht im gleichen Tempo mitwachsen kann. Dadurch entsteht der Eindruck eines permanenten Geldüberhangs – obwohl für den eigentlichen Wirtschaftskreislauf nur ein Bruchteil davon erforderlich ist.
Diese Perspektive legt nahe, dass die Frage nach der „richtigen“ Geldmenge nicht isoliert betrachtet werden kann. Sie ist untrennbar verbunden mit der Struktur des Geldsystems selbst – und mit der Frage, ob ein dauerhaft wachstumsabhängiges Modell langfristig stabil sein kann.
3.5. Exkurs: Vollgeld-Initiative und die Frage nach dem richtigen Geldumlauf
Die Diskussion um den notwendigen Geldumlauf führt unweigerlich zu der Frage, wer die Kontrolle über die Geldschöpfung haben sollte. Genau hier setzte die Vollgeld-Initiative an, die in der Schweiz intensiv diskutiert wurde.
Ihr Kernanliegen war es, die Geldschöpfung vollständig in die Hand der Nationalbank zu legen. Geschäftsbanken hätten demnach kein eigenes Buchgeld mehr durch Kreditvergabe erzeugen können. Stattdessen wäre neues Geld ausschliesslich dort in Umlauf gebracht worden, wo es tatsächlich benötigt wird – in der Realwirtschaft.
Im Kontext des minimal notwendigen Geldumlaufs ergibt sich daraus ein interessanter Gedanke:
Ein Vollgeldsystem könnte theoretisch eine direktere Steuerung der zirkulierenden Geldmenge ermöglichen. Die Geldversorgung würde sich stärker an realen Bedürfnissen orientieren, anstatt indirekt über Kreditexpansion gesteuert zu werden.
Befürworter argumentieren, dass dadurch Übertreibungen reduziert und die Stabilität erhöht werden könnten. Kritiker hingegen weisen darauf hin, dass eine solche Umstellung tief in bestehende Strukturen eingreifen und neue Unsicherheiten schaffen würde.
Unabhängig von der Bewertung macht die Initiative eines deutlich:
Die Frage nach der richtigen Geldmenge ist keine rein technische, sondern eine systemische Entscheidung.
Sie betrifft nicht nur ökonomische Effizienz, sondern auch Kontrolle, Verantwortung und Vertrauen in das Geldsystem selbst.
4. Schlussfolgerung und Ausblick
Die vorangegangene Analyse führt zu einer zentralen und zugleich überraschenden Erkenntnis:
Die Realwirtschaft der Schweiz benötigt offenbar nur einen vergleichsweise kleinen Teil der vorhandenen Geldmenge, um stabil zu funktionieren. Rund 120 Milliarden CHF pro Monat scheinen ausreichend zu sein, um Einkommen, Konsum und unternehmerische Umsätze aufrechtzuerhalten. Wenn die Unternehmen mit einer Geldmenge von 2 Wochenumsätzen auskommen, sogar weniger als 90 Mrd. CHF. 35 Mrd. CHF statt 70 Mrd. CHF bei den Unternehmen.
Damit verschiebt sich der Fokus grundlegend. Nicht die absolute Höhe der Geldmenge steht im Zentrum, sondern die Frage, wie viel davon tatsächlich im Umlauf ist – und wofür es verwendet wird.
Ein grosser Teil des Geldes erfüllt demnach keine unmittelbare Funktion in der Realwirtschaft. Er wird gehalten, verschoben oder investiert, ohne direkt zur laufenden Wertschöpfung beizutragen. Man könnte meinen, das ist nicht per se problematisch sei, es macht jedoch deutlich, dass Geld unterschiedliche Rollen gleichzeitig erfüllt: als Tauschmittel, als Wertaufbewahrung und als Spekulationsobjekt.
Denn diese überschüssige Geldmenge will ja verzinst werden, von der Realwirtschaft. Von 120 Mrd. CHF auf 1'200 Mrd. CHF sind es 1'080 Mrd. CHF. Mit 1.5% Zins wären dies über 15 Mrd. Zins, den die Realwirtschaft aufbringen muss. Ohne diese Verzinsung könnten z.B. Die AHV Renten 1/3 höher sein.
Genau hier liegt der entscheidende Punkt für die zukünftige Entwicklung.
Wenn die Stabilität der Wirtschaft vom aktiven Geldumlauf abhängt, dann stellt sich die Frage, ob das bestehende System diesen Umlauf optimal unterstützt – oder ob es Anreize schafft, Geld dem Kreislauf zu entziehen.
Mögliche Lösungsansätze könnten darin bestehen,
den Geldumlauf gezielter zu fördern
die Verbindung zwischen Geldschöpfung und realer Wertschöpfung zu stärken
oder alternative Modelle zu prüfen, die eine stabilere Balance ermöglichen
Dabei geht es nicht zwingend um radikale Umbrüche, sondern zuerst um ein besseres Verständnis der bestehenden Mechanismen – und deren bewusste Weiterentwicklung.
Denn eines wird immer klarer:
Ein stabiles Geldsystem ist kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis von Regeln, Vertrauen und gesellschaftlichen Entscheidungen.
Die Frage nach dem „richtigen“ Geldumlauf betrifft daher nicht nur Ökonomen oder Zentralbanken, sondern jeden Einzelnen. Sie entscheidet darüber, wie stabil unsere Wirtschaft ist, wie gerecht Chancen verteilt werden und wie krisenanfällig das System bleibt.
Sprechen Sie darüber. Hinterfragen Sie gängige Annahmen. Und diskutieren Sie im Freundes- und Bekanntenkreis eine scheinbar einfache, aber grundlegende Frage:
Wie viel Geld braucht unsere Wirtschaft wirklich – und wie sollte es in Umlauf gebracht werden?
Denn die Antwort darauf könnte weitreichender sein, als es auf den ersten Blick erscheint.
Und schlussendlich geht es doch darum, wem wir mehr vertrauen. Der Schweizerischen Nationalbank SNB, die das Bargeld schafft und es unverzinst in Umlauf bringen könnte oder den gewinnorientierten Geschäftsbanken, die mit der Kreditverzinsung für die steigende Geldmenge, die für die Realwirtschaft schädlich ist, sorgen. Von der kleinen Raiffeisenbank bis zur viel zu grossen UBS, die das gesamte Buchgeld durch Kreditvergabe schaffen.

