Einleitung
Noch vor wenigen Jahren war es selbstverständlich, in der Schweiz mit Bargeld zu bezahlen. Ob beim Bäcker, im Restaurant oder auf dem Wochenmarkt – Münzen und Banknoten in Schweizer Franken (CHF) waren Ausdruck wirtschaftlicher Normalität. Bis vor rund 50 Jahren wurde der Lohn noch als Lohntüte mit Bargeld ausbezahlt. Heute häufen sich Situationen, in denen Bargeld nicht mehr erwünscht ist oder gar nicht mehr akzeptiert wird. Der Hinweis „nur Karte“ wirkt harmlos, beinahe modern. Doch er markiert eine tiefgreifende Veränderung, deren Tragweite vielen erst langsam bewusst wird.
Bargeld ist mehr als ein Zahlungsmittel. Es ist die einzige Geldform, die ohne Intermediär funktioniert. Wer bar bezahlt, benötigt weder eine Bank noch eine App, weder eine digitale Infrastruktur noch die Zustimmung eines Zahlungsdienstleisters. Bargeld ist unmittelbar, anonym und final. Genau diese Eigenschaften machen es einzigartig – und politisch sensibel.
Denn Geld ist niemals neutral. Es strukturiert Machtverhältnisse, beeinflusst Verhalten und definiert Abhängigkeiten. Ein Zahlungssystem, das vollständig digital organisiert ist, schafft zwangsläufig Kontrollpunkte: Konten können gesperrt, Zahlungen überwacht, Transaktionen ausgewertet werden und die finanzielle Handlungsfähigkeit vollständig blockiert werden. Was technisch möglich ist, wird früher oder später politisch relevant. Die Frage lautet daher nicht, ob digitale Zahlungen bequem sind, sondern welche Konsequenzen ihre Alternativlosigkeit hätte.
In einer Gesellschaft, in der Bargeld verschwindet, verändert sich das Verhältnis zwischen Bürger, Staat und Finanzsystem grundlegend. Finanzielle Privatsphäre wird zur Ausnahme, wirtschaftliche Autonomie zur Bedingung. Entscheidungen, die früher individuell waren, werden systemisch nachvollziehbar – und potenziell steuerbar. Nicht durch offene Verbote, sondern durch schleichende Normalisierung.
Warum also steht Bargeld weltweit unter Druck, obwohl es funktioniert, akzeptiert ist und Vertrauen geniesst? Weshalb wird ausgerechnet die einzige Geldform ohne Gegenpartei zunehmend infrage gestellt? Und was bedeutet es für eine Demokratie, wenn jede Zahlung einen digitalen Fussabdruck hinterlässt?
Die Debatte um Bargeld ist keine technische Effizienzfrage. Sie ist eine gesellschaftliche Grundsatzentscheidung. Wer sie ignoriert, überlässt anderen die Gestaltung eines der zentralsten Machtinstrumente moderner Gesellschaften – das Geld selbst.
Analyse der Lage – Bargeld zwischen Akzeptanz und Verdrängung
Formal geniesst Bargeld in der Schweiz weiterhin einen hohen Stellenwert. Der Schweizer Franken (CHF) ist eine stabile Währung im Vergleich zu anderen Papierwährungen., Bargeld gesetzliches Zahlungsmittel und in der Bevölkerung breit akzeptiert. Im internationalen Vergleich wird Bargeld noch häufig genutzt, das Vertrauen in Banknoten ist hoch. Auf den ersten Blick besteht daher kein akuter Handlungsbedarf.
Doch unter der Oberfläche vollzieht sich ein schleichender Wandel. Immer mehr Zahlungsprozesse werden digitalisiert, immer mehr Händler verzichten freiwillig auf Bargeldannahme, und immer mehr Konsumenten passen ihr Verhalten an. Nicht aufgrund eines politischen Entscheids, sondern aus Bequemlichkeit, Kostendruck oder technologischer Gewöhnung. Bargeld verschwindet nicht abrupt – es wird marginalisiert.
Parallel dazu verändert sich die politische und regulatorische Rahmung von Geld. Bargeld wird zunehmend mit negativen Narrativen verknüpft: Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Ineffizienz. Digitale Zahlungen hingegen gelten als transparent, sicher und zeitgemäss. Diese Gegenüberstellung ist verkürzt, prägt aber die öffentliche Debatte.
Entscheidend ist: Digitale Zahlungssysteme sind stets an Intermediäre gebunden. Banken, Zahlungsdienstleister und technische Plattformen werden zu unverzichtbaren Schnittstellen. Damit verschiebt sich die Kontrolle über Zahlungsfähigkeit vom Individuum hin zu Institutionen. Was heute als Komfortgewinn erscheint, kann morgen zur strukturellen Abhängigkeit werden. Bei einem Stromausfall geht gar nichts mehr.
Die aktuelle Entwicklung ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines globalen Trends: Geld soll nachvollziehbar, steuerbar und integrierbar in politische Zielsetzungen sein. Bargeld passt in dieses Bild immer weniger – gerade weil es sich dieser Logik entzieht.
Hauptteil – Warum Bargeld mehr ist als eine Zahlungsoption
3.1 Bargeld als einziges Geld ohne Gegenpartei
Bargeld nimmt im heutigen Geldsystem eine besondere Stellung ein, die oft übersehen oder missverstanden wird. Es ist die einzige Geldform, die ohne Gegenpartei existiert. Wer eine Banknote in Schweizer Franken (CHF) besitzt, hält kein leeres Versprechen, keinen Anspruch gegenüber einer Bank und keine digitale Forderung, sondern endgültiges Geld. Bargeld ist kein Vertrag und kein Kredit, sondern die unmittelbare Erfüllung eines Zahlungsversprechens.
Im Gegensatz dazu steht das heute dominierende Buchgeld. Dieses entsteht durch Kreditvergabe und existiert ausschliesslich als Forderung auf der Aktivseite einer Bilanz und als Schuld auf der Passivseite einer anderen. Jede digitale Zahlung setzt damit ein funktionierendes System voraus: Konten, technische Infrastruktur, regulatorische Vorgaben und die Bereitschaft von Intermediären, die Transaktion auszuführen. Zahlungsfähigkeit ist hier stets bedingt und niemals absolut.
Bargeld durchbricht diese Logik vollständig. Es funktioniert ohne Bank, ohne Genehmigung, ohne technische Schnittstelle und ohne Vertrauen in Dritte. Wer Bargeld besitzt, ist zahlungsfähig – unabhängig von Systemzuständen, institutionellen Entscheidungen oder digitalen Zugangsrechten. Genau diese Unabhängigkeit macht Bargeld robust, aber auch unbequem für ein kreditbasiertes Finanzsystem.
Bargeld ist damit kein veraltetes Zahlungsmittel, sondern ein systemischer Sonderfall. Es entzieht sich der Logik von Kontrolle, Sperrbarkeit und Konditionalität und stellt eine Form wirtschaftlicher Autonomie dar, die im digitalen Geldsystem sonst nicht mehr existiert.
3.2 Finanzielle Privatsphäre als Voraussetzung von Freiheit
Finanzielle Privatsphäre ist eine zentrale, aber oft unterschätzte Voraussetzung individueller Freiheit. Jede Zahlung gibt Aufschluss über persönliche Vorlieben, Gewohnheiten, soziale Beziehungen und Lebensumstände. In ihrer Gesamtheit ermöglichen Zahlungsdaten ein detailliertes Bild eines Menschen – präziser und aussagekräftiger als viele andere persönliche Informationen.
Digitale Zahlungssysteme erzeugen solche Datenspuren zwangsläufig. Jede Transaktion wird registriert, gespeichert und technisch auswertbar gemacht. Auch wenn diese Daten aktuell vorwiegend zu administrativen oder kommerziellen Zwecken genutzt werden, bleibt ihr Einsatzbereich grundsätzlich offen. Was einmal erfasst wird, kann analysiert, verknüpft und für neue Zwecke verwendet werden. Technische Möglichkeiten schaffen politische Optionen.
Bargeld bildet hier einen bewussten Gegenpol. Es erlaubt wirtschaftliche Teilhabe ohne dauerhafte Datenerfassung und ohne Offenlegung persönlicher Informationen. Diese Anonymität ist kein Missbrauchspotenzial, sondern Ausdruck eines liberalen Rechtsverständnisses. Eine freie Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass alltägliches Handeln nicht permanent beobachtet oder bewertet werden muss.
Der Verlust finanzieller Privatsphäre erfolgt selten durch offene Eingriffe. Er geschieht schleichend, durch Gewöhnung an digitale Bequemlichkeit und durch die schrittweise Verdrängung anonymer Alternativen. Bargeld bewahrt einen Raum, in dem wirtschaftliche Selbstbestimmung unabhängig von Beobachtung möglich bleibt.
3.3 Digitale Zahlungssysteme und strukturelle Machtkonzentration
Mit der fortschreitenden Digitalisierung des Zahlungsverkehrs verändert sich nicht nur die Technik, sondern auch die Machtverteilung im Geldsystem. Zahlungsfähigkeit wird zunehmend an den Zugang zu digitalen Systemen geknüpft. Banken, Zahlungsdienstleister und Plattformbetreiber fungieren dabei als unverzichtbare Schnittstellen wirtschaftlicher Teilhabe. Wer keinen Zugang zu diesen Systemen hat oder ihn verliert, ist faktisch von grossen Teilen des Zahlungsverkehrs ausgeschlossen.
Diese Machtkonzentration ist strukturell bedingt und nicht primär eine Frage individueller Absichten. Digitale Zahlungssysteme basieren auf Regeln, Algorithmen und automatisierten Prüfmechanismen. Kontosperrungen, Transaktionslimits oder zeitweise Blockierungen sind technisch jederzeit möglich und werden in bestimmten Situationen bereits angewendet. Die Entscheidung darüber liegt nicht beim Nutzer, sondern bei den betreibenden Institutionen.
Bargeld entzieht sich dieser Struktur vollständig. Es kennt keine Zugangsbedingungen, keine Freigaben und keine zentrale Instanz, die über Zahlungsfähigkeit entscheidet. Wer Bargeld besitzt, kann es jederzeit einsetzen. Diese Eigenschaft begrenzt die Macht von Intermediären und erhält einen Raum wirtschaftlicher Selbstbestimmung.
Je stärker digitale Zahlungssysteme dominieren, desto grösser wird die Abhängigkeit des Einzelnen von Institutionen, deren Entscheidungen er weder unmittelbar beeinflussen noch im Alltag kontrollieren kann. Bargeld wirkt hier als dezentrales Gegengewicht in einem zunehmend zentralisierten System.
3.4 Geld als Instrument der Verhaltenslenkung
Mit der zunehmenden Digitalisierung verändert sich die Funktion von Geld grundlegend. Geld dient nicht mehr ausschliesslich als neutrales Tauschmittel, sondern kann technisch so ausgestaltet werden, dass es Verhalten beeinflusst oder lenkt. Digitale Zahlungssysteme ermöglichen es, Transaktionen mit Bedingungen zu versehen, sie zeitlich und/oder regional zu begrenzen oder auf bestimmte Verwendungszwecke zu beschränken. Was technisch möglich ist, wird früher oder später gesellschaftlich relevant. Man soll nicht so viel Alkohol, Tabakwaren oder Fleisch kaufen. Es nennt sich dann Fürsorge.
Solche Eingriffe müssen nicht offen oder repressiv erfolgen. Oft reichen kleine Anreize, Einschränkungen oder algorithmische Vorgaben, um wirtschaftliches Verhalten in eine gewünschte Richtung zu lenken. Konsum-, Spar- oder Investitionsentscheidungen lassen sich auf diese Weise indirekt steuern, ohne dass formale Verbote notwendig sind. Die Steuerung erfolgt eingebettet in technische Prozesse, die für den Einzelnen kaum nachvollziehbar sind.
Bargeld entzieht sich dieser Logik vollständig. Es kennt keine Zweckbindung, kein Ablaufdatum und keine programmierbaren Einschränkungen. Jede Banknote ist universell einsetzbar, unabhängig von Kontext oder Zielsetzung. Diese Einfachheit schützt vor subtiler Einflussnahme und bewahrt individuelle Entscheidungsfreiheit.
Je mehr Geld funktionalisiert wird, desto stärker verschiebt sich das Machtverhältnis zwischen System und Individuum. Bargeld wirkt hier als Korrektiv, das verhindert, dass wirtschaftliche Freiheit schrittweise durch technische Steuerungsmechanismen ersetzt wird.
3.5 Die Schweiz als Sonderfall – und als Warnsignal
Die Schweiz gilt als Land stabiler Institutionen, direkter Demokratie und hoher individueller Freiheit. Gerade deshalb ist die schrittweise Marginalisierung des Bargelds hier besonders aufschlussreich. Wenn selbst in einem Umfeld mit stabilem Vertrauen in Banken und Regierung Bargeld zunehmend in den Hintergrund tritt, ist dies kein Zufall, sondern ein Indikator globaler Trends.
Die Akzeptanz digitaler Zahlungsmethoden wächst, während Bargeld oft als umständlich oder altmodisch gilt. Diese Entwicklung erfolgt schleichend, häufig ohne öffentliche Debatte, obwohl sie grundsätzliche Fragen der Geldsouveränität und wirtschaftlichen Selbstbestimmung berührt. Wer heute freiwillig auf Bargeld verzichtet, gewöhnt sich an ein System, das zunehmend von Intermediären kontrolliert wird – eine schleichende Einschränkung von Freiheit.
3.5.1 Exkurs: Die Vollgeld-Initiative und die Frage der Geldmacht
Die Vollgeld-Initiative hat erstmals einer breiten Öffentlichkeit vor Augen geführt, dass Geldschöpfung keine technische Nebensache, sondern eine zentrale Machtfrage ist. Auch wenn die Initiative politisch abgelehnt wurde, hat sie gezeigt: Der überwiegende Teil des Geldes entsteht durch Kreditvergabe privater Banken, nicht durch die Nationalbank.
Bemerkenswert ist, dass Bargeld bereits heute Vollgeld ist: Es wird ausschließlich von der Schweizerischen Nationalbank ausgegeben und ist schuldfrei. Buchgeld hingegen bleibt Bestandteil eines Systems fortlaufender Verschuldung. Die schleichende Verdrängung des Bargelds wirkt daher wie eine Umgehung der eigentlichen Debatte: Statt offen über Geldmacht zu sprechen, wird die einzige geldpolitisch neutrale Form still marginalisiert.
Die Schweiz zeigt damit exemplarisch: Selbst in stabilen Demokratien ist Bargeld unter Druck, und sein Rückgang kann die Spielräume individueller Freiheit und wirtschaftlicher Selbstbestimmung langfristig reduzieren. Wer diese Entwicklung nicht bewusst verfolgt, läuft Gefahr, schrittweise die Kontrolle über den eigenen Zahlungsverkehr zu verlieren.
3.6 Freiheit verschwindet selten durch Verbote
Die Abschaffung von Bargeld erfolgt selten über offene Verbote. Viel häufiger geschieht sie schrittweise, unspektakulär und scheinbar freiwillig. Händler verzichten aus wirtschaftlichen Gründen auf die Akzeptanz von Scheinen, Konsumenten gewöhnen sich an digitale Bequemlichkeit, Institutionen betonen Effizienz und Sicherheit. Was auf den ersten Blick harmlos wirkt, verändert langfristig das Machtverhältnis im Geldsystem. Freiheit verschwindet nicht abrupt, sondern durch die schleichende Eliminierung von Wahlmöglichkeiten.
Ein vollständig bargeldloses System ist technisch effizient, aber alternativlos. Jede Person, die von digitalen Zahlungswegen abhängig wird, unterliegt automatisch den Regeln der Betreiber, Banken und der Infrastruktur selbst. Transaktionen werden nachvollziehbar, steuerbar und potenziell sperrbar. Wer kein Bargeld besitzt, kann diese Kontrolle nicht umgehen. Bargeld fungiert daher als Schutzmechanismus, als letzte Instanz individueller Zahlungsfähigkeit und als Korrektiv gegen die zunehmende Zentralisierung von Macht über Geldflüsse.
Diese Dynamik ist nicht hypothetisch. Länder mit stark rückläufigem Bargeldanteil zeigen bereits heute, wie schnell sich Handlungsspielräume verengen, sobald technische oder institutionelle Einschränkungen greifen. Die schleichende Verdrängung von Bargeld erfolgt zudem leise: Sie nutzt Gewohnheit, Komfort und Effizienzargumente, statt gesetzliche Verbote einzusetzen. Genau das macht sie so wirkungsvoll – und für den Einzelnen kaum spürbar.
Bargeld ermöglicht wirtschaftliche Teilhabe, auch wenn digitale Systeme ausfallen oder restriktive Regeln eingeführt werden. Sein Wert liegt nicht in technischer Effizienz, sondern in der Sicherung von Freiheit, Handlungsautonomie und Privatsphäre. Wer es aufgibt, gibt nicht nur Scheine und Münzen auf, sondern ein Stück Selbstbestimmung. Diese Entscheidung ist individuell, aber gesellschaftlich von enormer Tragweite. Die Zukunft der Freiheit hängt davon ab, ob Bargeld als echte Alternative erhalten bleibt.
Ein Beispiel für Einschränkungen der finanziellen Handlungsfähigkeit zeigte sich 2022 in Kanada. Die Regierung lies denjenigen, die für den „Freedom Convoy“ gespendet hatten, das Konto für einen gewissen Zeitraum sperren. Die Konten auf denen die Spenden gesammelt wurden, wurden ebenfalls blockiert. Dies durch Notstandsgesetze ohne gerichtliche Überprüfung beim Einzelnen.
Schlussfolgerung und Ausblick – Bargeld als bewusste Entscheidung
Bargeld ist kein Auslaufmodell, sondern eine bewusste gesellschaftliche Entscheidung. Es steht für ein Geldverständnis, das Freiheit, Eigenverantwortung und Privatsphäre ernst nimmt. In einer Zeit, in der immer mehr Lebensbereiche digital erfasst, ausgewertet und gesteuert werden, ist Bargeld eines der letzten Instrumente individueller Autonomie.
Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob digitale Zahlungen Vorteile bieten. Das tun sie zweifellos. Die eigentliche Frage ist, ob eine Gesellschaft bereit ist, auf eine Alternative zu verzichten. Denn wo Bargeld verschwindet, wird wirtschaftliche Teilhabe an Bedingungen geknüpft: an Technik, an Infrastruktur, an institutionelle Erlaubnis. Freiheit wird funktional – nicht mehr selbstverständlich.
Gerade die Schweiz mit ihrer Tradition der Selbstbestimmung und direkten Demokratie sollte diese Entwicklung nicht als technisches Randthema abtun. Geld ist ein Machtinstrument. Wer über Geldflüsse entscheidet, entscheidet über Handlungsspielräume. Bargeld begrenzt diese Macht, indem es sie dezentralisiert. Sein Erhalt ist daher kein nostalgischer Akt, sondern ein politischer.
Unkonventionelle Lösungen beginnen nicht bei Verboten oder Zwang, sondern bei Bewusstsein und Handlung. Bargeld bewusst zu nutzen, ist eine stille Form des Widerstands gegen totale Abhängigkeit. Bargeld zu akzeptieren, einzufordern und darüber zu sprechen, hält eine Wahlmöglichkeit offen, die sonst verloren geht.
Sprechen Sie mit Freunden, Familie und Kollegen über Bargeld. Nicht ideologisch, sondern sachlich. Stellen Sie Fragen: Was passiert, wenn jede Zahlung nachvollziehbar ist? Wer entscheidet im Konfliktfall über Zahlungsfähigkeit? Welche Rolle wollen wir selbst im Geldsystem einnehmen?
Denn die Abschaffung des Bargelds wird nicht angekündigt. Sie geschieht schleichend – an der Kasse, im Alltag, aus Bequemlichkeit. Und wenn sie vollzogen ist, ist der Weg zurück kaum möglich.
Bargeld ist Freiheit. Nicht absolut, nicht perfekt – aber real. Die Entscheidung, es zu bewahren, liegt nicht allein bei Politik oder Banken. Sie liegt bei jedem Einzelnen. Heute. Still. Mit jedem bezahlten Franken.
Am 8. März kommt die Volksinitiative «Ja zu einer unabhängigen, freien Schweizer Währung mit Münzen oder Banknoten (Bargeld ist Freiheit)» zur Abstimmung. Überlegen Sie sich gut ob Sie zur Abstimmung gehen und wie Sie abstimmen wollen. Ein Ja wäre ein starkes Zeichen der Bevölkerung an den Bundesrat.
