1. Einleitung
Bargeld gilt für viele Menschen als das „echte“ Geld. Es ist greifbar, anonym, funktioniert ohne Strom, ohne Internet und ohne Bankverbindung. Wer Bargeld besitzt, hält vermeintlich etwas in der Hand, das unabhängig vom Finanzsystem existiert. Doch genau diese Annahme trügt – und führt zugleich mitten ins Herz der modernen Geldordnung. Denn Bargeld ist heute kein neutrales Zahlungsmittel mehr, sondern eine geldsystemische Besonderheit mit weitreichenden Konsequenzen.
Im gegenwärtigen Geldsystem existieren zwei grundlegend unterschiedliche Geldarten: das Buchgeld der Geschäftsbanken und das Bargeld der Zentralbank. Buchgeld entsteht durch Kreditvergabe, ist stets eine Forderung gegen eine Bank und damit untrennbar mit Schulden verbunden. Bargeld hingegen ist direktes Zentralbankgeld. Es ist kein Kredit, keine digitale Buchung und keine Forderung gegen eine Geschäftsbank. Wer Bargeld besitzt, ist nicht Gläubiger einer Bank, sondern Eigentümer eines physischen Geldträgers.
Bilanztechnisch wird Bargeld dennoch als Verbindlichkeit der Zentralbank geführt. Doch im Unterschied zu Buchgeld fehlt ihm ein individuelles Gegenüber. Niemand kann von der Zentralbank die „Rückzahlung“ von Bargeld verlangen, und doch bleibt es im System eine Schuld. Genau in dieser scheinbaren Paradoxie liegt seine Besonderheit – und seine Sprengkraft. Bargeld ist Zentralbankgeld ohne konkrete Gegenpartei, ein geldsystemischer Sonderfall in einer Ordnung, die vollständig auf Forderungen und Verbindlichkeiten basiert.
Diese Eigenschaft macht Bargeld zu einem Fremdkörper im kreditbasierten Geldsystem. Während Buchgeld über Zinsen, Kreditvergabe und regulatorische Vorgaben gesteuert werden kann, entzieht sich Bargeld weitgehend diesen Mechanismen. Es setzt eine natürliche Grenze für Negativzinsen, ermöglicht Wertaufbewahrung außerhalb des Bankensektors und entzieht wirtschaftliche Aktivitäten teilweise der vollständigen Kontrolle.
Je stärker Geldpolitik auf Steuerung, Lenkung und Kontrolle ausgerichtet wird, desto unbequemer wird Bargeld. Ist es also ein Stabilitätsanker – oder ein Störfaktor? Und was bedeutet es für ein System, wenn ein zentrales Geldinstrument nicht vollständig integrierbar ist? Diese Fragen berühren nicht nur technische Details der Geldordnung, sondern die Grundlogik des modernen Finanzsystems selbst.
2. Analyse der Lage
Das heutige Geldsystem basiert im Kern auf der Trennung zweier Geldarten: Buchgeld und Bargeld. Buchgeld entsteht primär durch Kreditvergabe der Geschäftsbanken. Jede neue Schuld erzeugt gleichzeitig ein neues Guthaben – ein Prinzip bilanzieller Gegenseitigkeit. Buchgeld ist damit immer eine Forderung gegenüber einer Bank, vollständig in das kreditbasierte System integriert und steuerbar über Zinspolitik, regulatorische Vorgaben und Liquiditätslenkung.
Bargeld unterscheidet sich grundlegend. Es ist Zentralbankgeld, physisch greifbar, nicht digital und nicht kreditbasiert. Wer einen 100-Franken-Schein hält, ist nicht Gläubiger einer Bank – das Geld hat kein individuelles Gegenüber. Bilanztechnisch steht Bargeld zwar als Verbindlichkeit der Zentralbank in der Bilanz, doch praktisch entfaltet sich daraus keine klassische Schuldbeziehung. Diese Besonderheit verleiht Bargeld eine eigenständige Position im System: Es entzieht sich der vollständigen Kontrolle über Zinsen, Kreditmargen oder regulatorische Eingriffe.
Die systemische Konsequenz ist deutlich: Bargeld fungiert als Stabilitätsanker, der Verbrauchern und Unternehmen einen Fluchtpunkt außerhalb des Bankensektors bietet. Gleichzeitig begrenzt es die Durchsetzung geldpolitischer Maßnahmen wie Negativzinsen und macht umfassende digitale Kontrolle schwieriger. Für Zentralbanken und Finanzpolitiker entsteht dadurch ein Spannungsfeld: Einerseits soll das Geldsystem steuerbar, planbar und effizient sein, andererseits existiert mit Bargeld ein Instrument, das diesen Steuerungsanspruch relativiert.
Diese Lage führt zu einer paradoxen Dynamik. Bargeld wird gleichzeitig als Schutzmechanismus und als Störfaktor wahrgenommen. Je stärker das System auf zentrale Steuerung ausgelegt ist, desto mehr wächst der Druck, Bargeld zurückzudrängen oder zu digitalisieren. Für die Zukunft stellt sich daher die Frage, wie ein Gleichgewicht zwischen Freiheit, Stabilität und Steuerbarkeit erreicht werden kann – eine Frage, die das Herz des modernen Geldsystems berührt und die im Hauptteil vertieft wird.
3. Hauptteil: Bargeld im kreditbasierten Geldsystem
3.1. Zwei Geldarten – zwei Logiken
Im heutigen Geldsystem existieren zwei Geldarten, die im Alltag meist gleichgesetzt werden, deren innere Logik jedoch grundverschieden ist: das Buchgeld der Geschäftsbanken und das Bargeld der Zentralbank. Diese Unterscheidung ist keine akademische Feinheit, sondern entscheidend für das Verständnis von Stabilität, Kontrolle und Macht im Geldsystem.
Buchgeld entsteht fast ausschließlich durch Kreditvergabe. Wenn eine Geschäftsbank einen Kredit vergibt, schafft sie gleichzeitig neues Geld. Auf der Aktivseite der Bankbilanz steht die Forderung gegenüber dem Kreditnehmer, auf der Passivseite erscheint das neu geschaffene Guthaben. Dieses Geld ist untrennbar mit Schulden verbunden und existiert nur so lange, wie die Schuld besteht. Buchgeld ist daher immer eine Forderung gegen eine Bank – und letztlich ein Versprechen auf zukünftige Rückzahlung.
Bargeld folgt einer völlig anderen Logik. Es ist direktes Zentralbankgeld, ausgegeben von der Schweizerischen Nationalbank, physisch vorhanden und nicht das Ergebnis eines Kreditverhältnisses zwischen privaten Akteuren. Wer einen 100-Franken-Schein besitzt, hält kein Bankversprechen, sondern Zentralbankgeld in seiner ursprünglichsten Form. Bargeld entsteht nicht durch private Verschuldung, sondern durch geldpolitische Entscheidungen.
Diese zwei Geldarten koexistieren, sind aber nicht gleichwertig steuerbar. Buchgeld lässt sich über Zinspolitik, Kreditregeln und Regulierung beeinflussen. Bargeld hingegen entzieht sich dieser Feinsteuerung. Genau diese Differenz macht Bargeld zu einem systemischen Sonderfall – und zum Ausgangspunkt aller weiteren Spannungen im modernen Geldsystem.
3.2. Bargeld als bilanzielle Besonderheit
Bargeld nimmt im heutigen Geldsystem eine außergewöhnliche Stellung ein. Bilanztechnisch wird es als Verbindlichkeit der Zentralbank geführt: Jeder ausgegebene Franken erscheint auf der Passivseite der Bilanz der Schweizerischen Nationalbank. Formal handelt es sich somit um eine Schuld. Doch diese Einordnung greift zu kurz, wenn man sie mit der Funktionsweise von Buchgeld vergleicht.
Bei Buchgeld ist die Schuld eindeutig definiert. Ein Kontoguthaben stellt eine konkrete Forderung gegen eine Geschäftsbank dar. Der Gläubiger ist identifizierbar, die Forderung einklagbar, und die Schuld kann durch Rückzahlung oder Insolvenz der Bank erlöschen. Bargeld hingegen besitzt kein individuelles Gegenüber. Niemand kann von der Zentralbank verlangen, einen Geldschein „einzulösen“ oder zurückzuzahlen. Der Franken-Schein zirkuliert im System, ohne je fällig zu werden.
Diese fehlende individuelle Gegenpartei macht Bargeld zu einer bilanztechnischen Ausnahme. Es ist eine Verbindlichkeit ohne klassische Schuldbeziehung. Genau darin liegt seine Besonderheit: Bargeld ist nicht Teil eines bilateralen Kreditverhältnisses, sondern allgemein akzeptiertes Zentralbankgeld, das dauerhaft im Umlauf bleiben kann. Es existiert unabhängig von der Bonität einzelner Marktteilnehmer und ohne Rückzahlungsverpflichtung.
Diese Struktur verleiht Bargeld eine besondere Stabilität. Es ist nicht von der Solvenz einer Geschäftsbank abhängig, nicht von digitalen Buchungssystemen und nicht von laufenden Kreditverträgen. Bargeld steht damit außerhalb des permanenten Entstehens und Verschwindens von Buchgeld. Gerade diese bilanzielle Eigenständigkeit macht es zu einem Sonderfall im kreditbasierten Geldsystem – und zu einem Element, das sich zentralen Steuerungsmechanismen nur begrenzt unterordnet.
3.3. Bargeld und Kontrolle
Moderne Geldpolitik ist zunehmend auf Steuerung und Lenkung ausgerichtet. Zinsen, Regulierung und Liquiditätsvorgaben sollen wirtschaftliches Verhalten beeinflussen, Konjunkturzyklen glätten und Risiken begrenzen. In diesem Kontext stellt Bargeld eine besondere Herausforderung dar, weil es sich diesen Instrumenten nur begrenzt unterordnet.
Ein zentrales Beispiel sind Negativzinsen. Solange Geld ausschließlich als Buchgeld existiert, könnten Zentralbanken theoretisch beliebig negative Zinssätze durchsetzen. Die Existenz von Bargeld setzt jedoch eine natürliche Untergrenze. Niemand wird dauerhaft Strafzinsen akzeptieren, wenn die Möglichkeit besteht, Guthaben in physisches Geld umzuwandeln. Bargeld wirkt damit wie ein systemischer Schutzmechanismus gegen extreme geldpolitische Eingriffe.
Auch im Bereich der Kontrolle von Geldflüssen spielt Bargeld eine entscheidende Rolle. Digitale Zahlungen sind vollständig erfassbar, speicherbar und auswertbar. Sie ermöglichen detaillierte Analysen wirtschaftlichen Verhaltens und eröffnen weitreichende Steuerungsmöglichkeiten. Bargeldtransaktionen hingegen entziehen sich dieser lückenlosen Erfassung. Für Bürger bedeutet dies ein Mindestmaß an Privatsphäre und Autonomie, für das System jedoch einen Verlust an Kontrolle.
Je stärker geldpolitische Maßnahmen auf vollständige Steuerbarkeit abzielen, desto problematischer wird Bargeld wahrgenommen. Es verhindert die totale Durchsetzung politischer Vorgaben, begrenzt Überwachung und erhält einen Raum individueller Entscheidung. Bargeld ist damit nicht nur ein Zahlungsmittel, sondern ein Faktor, der die Reichweite geldpolitischer Kontrolle strukturell einschränkt – und genau deshalb zunehmend unter Druck gerät.
3.4. Bargeld als Stabilitätsanker
In einem kreditbasierten Geldsystem spielt Vertrauen eine zentrale Rolle. Solange Banken als stabil gelten und digitale Zahlungssysteme reibungslos funktionieren, bleibt dieses Vertrauen meist abstrakt und unsichtbar. Erst in Krisensituationen wird deutlich, welche Funktion Bargeld tatsächlich erfüllt. Dann wandelt es sich vom alltäglichen Zahlungsmittel zu einem zentralen Stabilitätsanker des gesamten Systems.
Bargeld ist sofort verfügbare Kaufkraft. Es ist keine Forderung gegen eine Geschäftsbank, kein digitales Versprechen und kein Anspruch, der von der Solvenz eines Finanzinstituts abhängt. Als physisches Zentralbankgeld bleibt es auch dann nutzbar, wenn Banken unter Druck geraten, Auszahlungen begrenzen oder technische Systeme zeitweise ausfallen. Diese Eigenschaft wirkt stabilisierend, weil sie Handlungsfähigkeit erhält und Panikreaktionen dämpfen kann.
Darüber hinaus ermöglicht Bargeld die Wertaufbewahrung außerhalb des Bankensektors. Es bietet Schutz vor systemischen Risiken, die aus hoher Verschuldung, Fristentransformation und enger Vernetzung der Finanzinstitute entstehen. In einem System, in dem Buchgeld jederzeit durch Kreditausfälle, Vertrauensverlust oder regulatorische Eingriffe schrumpfen kann, fungiert Bargeld als verlässlicher Referenzpunkt.
Aus systemischer Perspektive ist diese Stabilität ambivalent. Was für Bürger Sicherheit bedeutet, reduziert gleichzeitig die Abhängigkeit vom Bankensystem und schwächt dessen disziplinierende Wirkung. Bargeld wirkt wie ein Sicherheitsventil in einem ansonsten eng gekoppelten Kreditmechanismus. Gerade diese Funktion erklärt, warum Bargeld historisch in Phasen finanzieller Unsicherheit an Bedeutung gewinnt – und weshalb es trotz Effizienzargumenten, Digitalisierung und Kostendruck nicht beliebig ersetzbar ist.
3.5. Exkurs: Die Vollgeld-Initiative in der Schweiz
Die Vollgeld-Initiative stellte einen der wenigen ernsthaften Versuche dar, die Funktionsweise des bestehenden Geldsystems grundlegend zu hinterfragen. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass im heutigen System der überwiegende Teil des Geldes nicht von der Zentralbank, sondern durch Geschäftsbanken im Rahmen der Kreditvergabe geschaffen wird. Die Initiative zielte darauf ab, dieses Prinzip zu durchbrechen und die Geldschöpfung vollständig der Schweizerischen Nationalbank zu übertragen. So wie es früher, als es noch wenig unbaren Zahlungsverkehr gab, auch war.
Konkret hätte ein Vollgeldsystem bedeutet, dass sämtliches Geld – sowohl Bargeld als auch Giralgeld auf Konten – direktes Zentralbankgeld ist. Bankguthaben wären keine Forderungen mehr gegen Geschäftsbanken gewesen, sondern rechtlich und wirtschaftlich echtes Geld, vollständig gedeckt durch die Nationalbank. Geschäftsbanken hätten weiterhin Kredite vergeben dürfen, jedoch nur auf Basis tatsächlich vorhandener Mittel, nicht durch eigenständige Geldschöpfung.
In einem solchen System hätte Bargeld seine Sonderrolle verloren, weil sein geldsystemischer Status auf alle Geldformen ausgeweitet worden wäre. Die Unterscheidung zwischen Buchgeld und Bargeld wäre weitgehend aufgehoben worden. Genau darin lag die Sprengkraft der Initiative: Sie hätte die zentrale Stellung der privaten Banken im Geldschöpfungsprozess beseitigt und das Kreditwesen klar vom Geldwesen getrennt.
Das deutliche Scheitern der Initiative zeigt jedoch, wie tief das bestehende kreditbasierte System verankert ist. Kritiker warnten vor Risiken für Kreditvergabe, Wirtschaftswachstum und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Aus Umfragen wissen wir, dass die Menschen meinten, wir hätten ein Vollgeld-System. Die Geldschöpfung durch die Banken ist den wenigsten bekannt. Unabhängig vom Abstimmungsergebnis bleibt die Vollgeld-Initiative jedoch ein wichtiger Referenzpunkt. Sie macht sichtbar, dass Bargeld nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern Teil einer grundsätzlichen Frage ist: Soll Geld primär ein öffentliches Gut sein oder weiterhin überwiegend durch private Verschuldung entstehen? Diese Frage ist bis heute unbeantwortet – und bleibt zentral für jede Diskussion über die Zukunft des Geldsystems.
3.6. Warum Bargeld unter Druck gerät
Der zunehmende Druck auf Bargeld ist kein zufälliges Nebenprodukt technologischer Entwicklung, sondern die logische Folge eines Geldsystems, das immer stärker auf Steuerbarkeit, Effizienz und Kontrolle ausgerichtet ist. Bargeld widerspricht dieser Logik in mehrfacher Hinsicht und gerät deshalb zunehmend ins Visier geldpolitischer und regulatorischer Akteure.
Ein zentraler Treiber ist die fortschreitende Digitalisierung des Zahlungsverkehrs. Elektronische Zahlungen sind bequem, schnell und vermeintlich kostengünstig zu verarbeiten. Für den Bäcker oder den Kiosk mit kleinen Zahlungsbeträgen ist Bargeld günstiger. Für Banken, Handel und Staat bieten sie zudem einen erheblichen Informationsgewinn: Geldflüsse werden nachvollziehbar, speicherbar und analysierbar. Bargeld hingegen entzieht sich dieser vollständigen Erfassung. Es erzeugt keine Datenspur und begrenzt damit die Transparenz, die für moderne Steuerungsmodelle zunehmend als notwendig erachtet wird.
Hinzu kommt die geldpolitische Perspektive. In einem Umfeld niedriger oder negativer Zinsen stellt Bargeld eine strukturelle Einschränkung dar. Solange Bürger die Möglichkeit haben, Guthaben in physisches Geld umzuwandeln, stößt die Durchsetzung von Negativzinsen an natürliche Grenzen. Bargeld verhindert damit eine vollständige Durchsetzung geldpolitischer Anreize und wird aus Sicht der Zentralbanken zu einem Hemmfaktor.
Auch für ein Vermögensregister wie z.B. dasjenige der EU ist Bargeld ein Problem. Es entzieht sich der Kontrolle. Die Behörde weiss nicht wer wie viel hat und kann es bei ev. geplanten Vermögensabgaben, die indirekt durch Bundeskanzler Merz und EU Kommissionspräsidentin von der Leyen schon angekündigt wurden, daher nicht berücksichtigen. Ausser es würde neue Banknoten geben und die bisherigen wären nur in einem begrenzten Zeitraum umtauschbar. Dies wurde z.B. 1957 in der DDR oder kürzlich in Indien gemacht.
Auch regulatorische Argumente spielen eine Rolle. Bargeld wird häufig mit Geldwäsche, Steuerhinterziehung oder Schattenwirtschaft in Verbindung gebracht. Diese Aspekte dienen als vorgeschobene Begründung für Einschränkungen, Obergrenzen oder schrittweisen Rückbau. Dabei wird jedoch selten thematisiert, dass Bargeld zugleich legitime Funktionen erfüllt: Schutz der Privatsphäre, Unabhängigkeit vom Bankensystem und Resilienz gegenüber technischen oder institutionellen Störungen.
Der Druck auf Bargeld ist daher weniger eine Frage technischer Effizienz als Ausdruck eines grundlegenden Zielkonflikts. Ein System, das maximale Steuerbarkeit anstrebt, kann ein Geldmittel, das sich dieser Logik entzieht, nur schwer integrieren. Mit dem Rückgang des Bargelds steht deshalb nicht nur eine Zahlungsform zur Disposition, sondern ein zentrales Korrektiv innerhalb eines kreditbasierten Geldsystems.
4. Schlussfolgerung und Ausblick
Bargeld ist mehr als ein Zahlungsmittel. Es ist ein Stabilisator, ein Schutzmechanismus und ein Korrektiv in einem Geldsystem, das ansonsten vollständig auf Kredit und Schulden basiert. Während Buchgeld über Kreditvergabe, Zinspolitik und regulatorische Instrumente steuerbar ist, entzieht sich Bargeld dieser vollständigen Kontrolle. Gerade diese Eigenschaft macht es für Bürger zu einem Mittel der finanziellen Selbstbestimmung – und für Zentralbanken zu einem unangenehmen Fremdkörper.
Die systemische Bedeutung von Bargeld wird oft unterschätzt. Es setzt Grenzen für Negativzinsen, ermöglicht Liquidität außerhalb des Bankensektors und bietet Vertrauen in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit. Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass Bargeld unter zunehmendem Druck steht: Digitalisierung, geldpolitische Steuerungsinteressen und der Wunsch nach Kontrolle führen dazu, dass sein Bestand und seine Nutzung langfristig eingeschränkt werden könnten.
Die gescheiterte Vollgeld-Initiative in der Schweiz verdeutlicht dies eindrücklich: Ein Geldsystem, das den Bürgern mehr Stabilität und Kontrolle bieten würde, stößt auf Widerstand durch Banken und die Politik, solange Effizienz und Zentralsteuerung überwiegen. Dennoch bleibt die Kernbotschaft klar: Bargeld ist ein essenzielles Instrument, das das Gleichgewicht zwischen Freiheit, Stabilität und Steuerbarkeit des Geldsystems wahrt.
Für die Zukunft bedeutet das: Wer sich der Rolle von Bargeld bewusst wird, kann gezielt Entscheidungen treffen – über eigene Liquidität, über Wertaufbewahrung und über finanzielle Freiheit. Die Frage ist nicht nur technisch, sondern grundlegend gesellschaftlich: Wie viel Kontrolle über das Geldsystem wollen wir den Banken und Zentralbanken überlassen? Wie viel Freiraum für individuelle Sicherheit und Stabilität soll erhalten bleiben?
Die Verantwortung liegt bei jedem Einzelnen: Diskutieren Sie das Thema, machen Sie Freunde und Bekannte aufmerksam, und hinterfragen Sie die Entwicklungen im Geldsystem. Bargeld ist nicht nur ein Mittel, sondern ein Indikator für Freiheit, Stabilität und Unabhängigkeit im Finanzsystem. Wer es versteht, kann nicht nur seine eigene finanzielle Resilienz sichern, sondern auch aktiv dazu beitragen, dass ein ausgewogenes Geldsystem erhalten bleibt – eines, das zwischen Steuerung, Stabilität und Freiheit balanciert.
Es ist an der Zeit, das Gespräch über Bargeld und Geldsysteme zu führen – bevor diese Freiräume weiter eingeschränkt werden.
Am 8. März kommt die Volksinitiative «Ja zu einer unabhängigen, freien Schweizer Währung mit Münzen oder Banknoten (Bargeld ist Freiheit)» zur Abstimmung. Überlegen Sie sich gut ob Sie zur Abstimmung gehen und wie Sie abstimmen wollen. Ein Ja wäre ein starkes Zeichen der Bevölkerung an den Bundesrat.
